Monat: Februar 2026

Buchpremiere PULVER in Rottweil

Gepostet am Aktualisiert am

Die Neue Rottweiler Zeitung kündigt die Buchpremiere meines Romans PULVER am Freitag, 6. März, in Rotweil an:

https://www.nrwz.de/rottweil/johann-reisser-feiert-in-rottweil-buchpremiere-mit-duttenhofer-roman-547055.html

Sie schreibt:

Johann Reißer feiert in Rottweil Buchpremiere

mit Duttenhofer-Roman

Auf Einladung des Kulturamts kehrt der Rottweiler Stadtschreiber aus dem Jahr 2014 an den Ort seines Wirkens zurück. Im Badhaus Rottweil stellt Johann Reißer am 6. März um 20 Uhr sein Romandebüt „Pulver“ vor, das eng mit der Lebensgeschichte Max Duttenhofers verwoben ist.

Bei seinem Aufenthalt im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums stolperte der Autor Johann Reißer vor über zehn Jahren über den Rottweiler Unternehmer Max Duttenhofer. Er war fasziniert von dieser schillernden Figur, begann zu recherchieren und zu schreiben und kommt nun mit Erscheinen des Romans zu einer Lesung dorthin zurück, wo alles begann: ins ehemalige Industriegebiet im Neckartal, das in seiner heutigen Form im Wesentlichen von Duttenhofer geprägt wurde.

Im Badhaus stellt er einen Tag nach Erscheinen seinen Roman „Pulver“ vor.
In seinem mitreißenden Familien- und Epochenroman beleuchtet Reißer die kaum bekannten Anfänge der deutschen Rüstungsindustrie, von dem großen Geschäft mit Krieg und Tod, aber auch von den Hoffnungen, Begierden und Abgründen dahinter. Er erzählt vom frechen Max, der sich statt in der elterlichen Apotheke lieber beim alten Pulvermüller rumtreibt. Dass dieser ehrgeizige Junge die Pulvermühle übernehmen und binnen kurzem einen international agierenden Konzern aufbauen wird, ahnt da noch keiner. Sein raucharmes Schießpulver ist ein Quantensprung für die Kriegsführung und macht ihn zu einem der mächtigsten Männer des Kaiserreichs, der Deals mit Bismarck und Krupp einfädelt und sein Pulver bis nach Japan verkauft. Doch nicht allen gefällt, wie Industrialisierung und Nationalismus die Gesellschaft verändern. Die Aufrüstungsspirale entlädt sich im Ersten Weltkrieg, den seine uneheliche Enkelin Rosa als Arbeiterin in der Pulverfabrik erlebt. Einschneidende Erlebnisse machen sie zur Kämpferin gegen den Militarismus.

Der Roman spannt einen Bogen zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert und streift dabei Schauplätze wie Rottweil, Stuttgart, Hamburg und Berlin. Fesselnd bis zur letzten Seite spürt er dem Beschleunigungs- und Expansionsdrang der Moderne und dessen Umschlagen in Zerstörung und Gewalt nach und zeigt das Auseinanderdriften der Gesellschaft, wachsende soziale Spannungen und politische Radikalisierung.

Johann Reißer, geboren 1979 in Regensburg, promovierte zu Archäologie und Sampling in der Lyrik. Stipendien brachten ihn außer nach Rottweil auch nach Esslingen, Pfaffenhofen, Regensburg und Wewelsfleth. Für das Manuskript zu seinem Romandebüt »Pulver« erhielt er das Berliner Senatsstipendium. Reißer unterrichtet Philosophie und Kreatives Schreiben und lebt in Berlin.

INFO: Die Autorenlesung mit Johann Reißer beginnt am Freitag, 6. März um 20 Uhr im Badhaus Rottweil, Neckartal 167. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Reservierungen sind möglich beim Kulturamt Rottweil, Tel. 0741 494 219, kultur@rottweil.de.
Der Roman „Pulver“ ist ab 5. März zum Preis von 26 € im Buchhandel erhältlich. Es wird bei der Lesung auch einen Büchertisch geben und der Autor signiert gerne.

Bereits am 11. Januar war in der Neuen Rottweiler Zeitung ein ausführlicherer Artikel von Andreas Linsenmann zu meinem in Bälde erscheinenden Roman veröffentlicht worden:

https://www.nrwz.de/kultur/rottweils-weltkonzern-als-explosives-romanthema-544773.html

Rottweils Weltkonzern als explosives Romanthema

Das noch neue Jahr bringt für das Rottweiler Kulturleben etwas wirklich Neues: Erstmals ist aus dem Stadtschreiber-Stipendium ein ganzes Buch mit engem Rottweil-Bezug hervorgegangen. Johann Reißer, der Preisträger des Jahres 2014, hat einen Epochen- und Familienroman zur Pulverfabrik im Neckartal verfasst. Wie die NRWZ erfuhr, erscheint er Anfang März.

Rottweils explosive Vergangenheit hatte Johann Reißer schon während seines – spontan noch verlängerten – Aufenthalts in Rottweil gepackt. In seiner Abschiedsrede hatte der promovierte Philosoph den idyllischen Anblick von im Herbstlicht tanzenden Mücken im heutigen Industriepark Neckartal mit einer tieferen Zeitschicht verknüpft: Er verwies darauf, dass dort, wo heute Kunst und Party gemacht wird, über die Hälfte der deutschen Infanteriemunition für den Ersten Weltkrieg hergestellt wurde – und bei einem Unglück mit turmhohen Feuersäulen etliche Menschen starben.

Es war ein Kunstgriff mit Sprengkraft. Und einer, der scharf vor Augen führte, wie weitgehend dieser schwierige Teil der Stadthistorie oft ausgeblendeten bleibt. Mit diskretem Beschweigen wollte Reißer es allerdings nicht bewenden lassen. Daher zimmerte er aus dem Thema mit großer Beharrlichkeit einen Roman mit dem prägnanten Titel „Pulver“.

Dieser beleuchtet in zwölf Kapiteln episodenartig die Zeitspanne von 1858 bis 1933 – mit einem abschließenden Sprung zur Fasnet im Jahr 2020. Im Zentrum steht der Unternehmer Max Duttenhofer, der die Pulverfabrik ab den 1880er Jahren als „Krupp von Süddeutschland“ zu einem phänomenalen Aufschwung führte.

Reißer erzählt die Geschichte dieses Aufstiegs aus verschiedenen Sichtweisen. Zu Wort kommen neben der Zentralfigur, dem „Pulverkönig“ Duttenhofer auch zahlreiche andere Figuren, die ihre jeweilige Wahrnehmung schildern so etwa ein Handwerker, der Bruder, ein Künstler, der Sohn und eine Arbeiterin.

Durch die Verknüpfung gegensätzlicher Blickrichtungen will Reißer Schlaglichter auf Entwicklungen und Umbrüche werfen, ohne die Duttenhofers Weg nicht möglich gewesen wäre: Allem voran eine Militarisierung der Gesellschaft und ein hochkochender Patriotismus. Aber auch die Umprägung einer ganzen Landschaft im Zuge des Industrieausbaus greift Reißer auf. Und die Entwurzelung der ländlichen Bevölkerung, die sich in einem tiefen Umbruch hin zur Industriezeit befand.

Um dies glaubwürdig meistern zu können hat Reißer tüchtig recherchiert und im Stadtarchiv jede Menge Dokumente gewälzt. „Auch Material aus dem Nachlass der Familie Duttenhofer konnte ich auswerten“, erzählt Reißer im Gespräch mit der NRWZ.

Bei allem zeitlichen Abstand des Themas, das allein mit seinem historischen Kolorit nicht nur für Rottweil-Fans reizvoll sein dürfte, sieht Johann Reißer Parallelen auch zur Gegenwart: „Damals wurde die Rüstungsindustrie schnell groß – und heute ist sie wieder im Höhenflug“, vergleicht Reißer.

„Damals hat Duttenhofer, beginnend mit zehn Arbeitern, von Rottweil aus binnen weniger Jahre einen Weltkonzern hochgezogen, der Geschäfte mit Japan, China und Russland gemacht hat“, legt er als zweiten Beobachtungspunkt dazu, der ihn an den Blitz-Aufstieg von Start-ups in der Software- und KI-Branche erinnert.

Und nicht zuletzt: Max Duttenhofer war „ein cleverer Macher-Typ“, wie Reißer hervorhebt. Sein Tatendrang, der ihn zuletzt ins Automobil- und Kolonialgeschäft trieb, lässt den Autor an Figuren wie den Tausendsassa Elon Musk denken, die ein Ideen-Feuerwerk nach dem anderen entzünden.

Auch Rottweil spielt in dem Roman eine wichtige Rolle – nicht zuletzt als traditionsverbundene Kontrast-Welt zum Duttenhofer-Imperium, dessen kometenhafter Aufstieg damals in der Region viel Hoffnung und Aufbruchsgeist entfachte – ehe die Dynamik in zerstörerische Gewalt umschlug.

Man merkt Johann Reißer immer noch eine Menge Begeisterung an, wenn er vom Thema spricht. Die Duttenhofer-Welt hat ihn wie auch Rottweil seit seiner Stadtschreiber-Zeit nicht mehr losgelassen. Er fühlt sich verbunden und pflegt trotz des entfernten Lebensmittelpunkts Berlin Freundschaften. Auch bei der Fasnet ist er, sofern terminlich machbar, im Städtle.

Sein bald erscheinender Roman wird ihn nun wohl wieder öfter herführen. Eine erste Lesung ist jedenfalls schon terminiert: einen Tag nach Erscheinen des Buchs, am 6. März, 20 Uhr, liest er aus „Pulver“ – passenderweise im „Badhaus“ im Neckartal.

Info: „Pulver“ erscheint in der Frankfurter Verlagsanstalt (480 Seiten, 978-3-627-00347-0) und kostet 26 Euro.