Monat: Januar 2017

In Feindesland auf treuer Wacht, nebst Uracher Wurstniederlage

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Im Ersten Weltkrieg wurde nicht nur Munition in unverstellbarer Menge verpulvert. Ebenso wurden in schwindelerregendem Ausmaß lyrische Verse verfeuert. Eine poetische Totalmobilmachung schien das Gebot der Stunde.

In welch prosaischem Umfeld poetische Ergüsse für das Vaterland jedoch gelegentlich stattfanden, zeigt die Esslinger Zeitung vom 22. Dezember 1914, wo der Dank an die Heimat nur unweit von der Uracher Wurstniederlage liegt.

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In folgendem Auszug aus der Esslinger Zeitung vom 29. Oktober 1914 stehen Gedenkverse für einen, der „getroffen sank im Kampf fürs Vaterland“ dagegen unmittelbar neben Anzeigen für Trauerkleider, für Mittelchen zum (Nach)Färben von Trauerkleidern und Liebesgaben an die Front. Wirtschaft, Gesellschaft und Kulturleben stellen sich rasch auf die neuen Realitäten des Krieges ein.

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Bis man den Krieg in seiner ganzen Tragik und Tragweite begriff, dauerte es dagegen wesentlich länger, wie die Lyrikperformance „KATASTROPHEN/FORMEN – Der Erste Weltkrieg in 9 lyrischen Bildern“, die ich am Samstag, den 4. Februar, um 19 Uhr gemeinsam mit vier PerformerInnen im Esslinger Central Theater (einem Jugendstilkino, eröffnet 1913) zeigen werde. Mit über dreißig Gedichten aus vierzehn Ländern wird ein dramatischer Bogen gespannt, der das Umschlagen anfänglicher Kriegsbegeisterung in den Schock über die Gräuel des technisch-industriellen Massenkrieges nachzeichnet. Zudem werden Xaver Römer und Julia Trompeter in dem Sprechduett-Zyklus „KLING SICHTEN“ das Nachwirken des Ersten Weltkriegs auf Sprach- und Lebenswirklichkeiten nachfolgender Generationen beleuchten.

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Weitere Infos sowie Kartenreservierung unter http://www.esslingen.de/site/Esslingen-Internet-2016/node/1072604/Lde/zmdetail_523097448051/index.html?nodeID=523097448051

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Der Bau

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„Auf mich hatte der Bau, mit dem großen Festsaal, anschließend Winter- und Palmengarten, im Unterbau die großen Gewächshäuser, auf der Gartenseite verglaste Kegel und Schießbahnen, vielleicht wegen der Seltenheiten aus fernsten Ländern und der geheimnisvollen Schönheit der Kunstgegenstände eine unheimliche Anziehungskraft, und ich konnte stundenlang allein darin herumwandern und alles anschauen und darüber träumen.“

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„Unterhalb der Bilder und auf der anderen Gangseite waren die japanischen Sammlungen aufgestellt. … Im Mittelpunkt stand die größte Seltenheit: zwei vollständige Samurairüstungen, wie man sie sonst nur in Museen zu sehen bekommt. Im Erker gegenüber fingen mit niederen Divans, Teppichen, Kamelsatteltaschen, die orientalischen Sammlungen an.“

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„Allerdings interessierten mich mehr die wunderbaren arabischen Flinten mit Perlmut, Elfenbein, Silberbeschlägen, oft umwunden mit Golddraht…“

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„Es war keine Seltenheit, daß Großvater vormittags um 10 Uhr mitteilen ließ, abends kämen 180 bis 200 Personen zum großen Essen im Saalbau; Musik und Koch seien bestellt. Dann griffen alle Räder ineinander, Mädchen deckten, Kutscher, Gärtner, Jäger, Diener sorgten für Blumen und Palmenschmuck etc. In den Speisekammern hatte Großmutter immer drei vollständige Diners für 300 Personen in Dosen daliegen – bis auf Braten, die, was Wild, Geflügel und Fische anbelangt, immer im Eiskeller eingegraben bereitlagen.“

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„Doch weiter: im Stall, mit Kutsch- und Wagenpferden, Ständen und Boxen, amtierte Robert und sein Sohn, das Robertle. Anschließend ein Zwischenbau mit Geschirr-, Gärtner-, Jägerkammern und entsprechenden Arbeitsräumen, insbesondere die Fellkammer erregte unser Interesse, mit dem komischen Geruch und den aufgespannten Reh-, Dachs-, Marder- und Fuchsfellen und den ausgestopften Vögeln, Uhus und den präparierten Geweihen.“

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„Es ging über in die große Reihalle und -bahn, die sowohl zum Longieren, wie Musikreiten mit Empore und Tribüne eingerichtet war, herrlich nach Lohe und Zirkus duftete. Dahinter im Freien lag ein Sprunggarten, d. h. eine Bahn mit Hürden und Hindernissen.“

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