Letzte Event-Updates

Clouds

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Unser Haus will anders werden.

Es will sich lösen, will schweben.

Von Steinen, Erde ganz befreit,

Unser Haus will Wolke werden,

Ein bewegliches Heer von Vektoren und Faktoren,

Von Zahlen und Prognosen,

Es will Formation werden, rotieren, gleiten.

Unser Haus will in großen Strömen aufgehen,

Es will am Auftrieb teilhaben,

An hohen, unsichtbaren Sphären,

Die sich, so sagt man, über uns wölben.

Die Renderings sehen blendend aus:

Zwischen neuen Kategorien und Klassen,

Zwischen blanken Scheiben und Fassaden,

In denen sich Wetterfronten verfangen,

Zusammenbrauen, weiterziehen mit oder ohne uns. 

Nestbaulaune

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Es keckern die Elstern, es gurren die Tauben, es krächzen die Krähen:

Nestbaulaune.

Es tröten die Kräne, die Mischer geben Laut:

Es werden Wohn- und Brutstätten bereitet.

Es tröten die Kräne, es wischen die Männer über Monitore.

Schwebende Trägerteile im Blau.

Man beschnüffelt die Hintern, flaniert an gerenderten Spiegelfassaden.

Nestbaulaune.

Man betrachtet künftige Schlafplätze. Es tutet, ein Schwenk.

Vorbeigeschoben Pappkartons, Taschen, Decken.

Noch ein Tuten, Schwenk zurück.

Nestbau, wie auf Plastiktafeln vorgeprägt.

Die Männer wischen erneut, die Träger senken sich.

Nochmals ein lässiges Wischen, der Mischer ist leer.

Nur ein Flirt? Nestbaulaune.

Es keckern die Elstern, es gurren die Tauben, es krächzen die Krähen.

„Ansichten aus dem Frau Holle-Land“ im Jahrbuch der Lyrik

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Soeben sind die Belegexemplare des Jahrbuchs der Lyrik 2021 im silbrig glänzenden Kleid eingetroffen. Ich freu mich, dass mein Gedicht Ansichten aus dem Frau Holle-Land darin vertreten ist.

Spiegelflechten

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Ein Wunderwerk verflochtener Cluster, Masterpläne, Lobbys und Lounges diskret getrennt, Eigenraum und Freiheit, Transformationserfahrung: Bild in Bild. Dazu weitere Areale des Machbaren, Place to be wie aus dem Rendering.

Klotzen

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Da liegt etwas. Liegt groß, liegt mächtig, schwer. Liegt quer, stört die Sicht, die Wege. Ist grob, unförmig, klotzt riesenhaft ins Bild.

Grau und fleckig, bewachsen und besprayt. Bollwerk gegen das Andere, Schwerbelastungskörper der Stadt, gerichtet gegen den Himmel, stummer Nachhall des totalen Kriegs (verkündet gleich um die Ecke), Klageklotz der totalen Unterwerfung (tausende Tonnen toter Masse auftürmend) verödete Schaltzentrale des Wahns (Millionen Kilometer weit in die Landmassen sich verästelnd), Ungetüm, an dem der der Zahn der Zeit kaum zu kratzen vermag. Wie der Klotz genau dort landete? Wo mit den Erklärungen beginnen? Wo mit den Erklärungen enden?

Und was nun tun? Wegsprengen funktionierte nicht, man hat es einige Male versucht. Wegschieben, wegschauen, wegfeiern? Zergliedern, zersetzen, zerreden? Oder noch konsequenter überbauen, übermalen, überwachsen, überwuchern, überwohnen, überleben?

Streit um Gier und Pulvergeschäfte

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Im Haus der Geschichte Baden-Württembergs soll demnächst eine Sonderausstellung zum Thema GIER. WAS UNS BEWEGT eröffnet werden. Als ein Musterbeispiel für das Laster der Gier wird dabei auf Max Duttenhofer besonders eingegangen – der Protagonist meines hoffentlich bald erscheinenden Romans „Pulver“.

Das HdGBW nennt Duttenhofer im Ausstellungsteaser den „unersättlichen Pulverkönig“ und schreibt, dieser habe nicht nur seine Fabrik immer weiter ausgebaut und sich Dank glänzender Beziehungen das Monopol für Pulver in Deutschland gesichert – was ihm aber nicht gereicht habe. Er habe auch andere Unternehmen kontrolliert und zeitweise Gottlieb Daimler aus dessen eigner Firma gedrängt.

In einem am 7. November erschienen SPIEGEL-Artikel führt der Ausstellungskurator und Historiker Rainer Schimpf das alles genauer aus. Er spricht dabei von dem so rätselhaften wie spektakulären Leben des Großindustriellen Duttenhofer. Wobei er sich verwundert zeigt, dass der aufregende Stoff, den dessen Leben und Wirken bietet, bisher noch nicht einem breiteren Publikum bekannt geworden ist, wie etwa die Biografie von Alfred Krupp oder Gottlieb Daimler.

Über diesen Artikel berichten der Schwarzwälder Bote und das Schwäbische Zeitung wenige Tage später unter dem Titel „Skrupelloser Netzwerker des Turbokapitalismus“ – woraufhin sich eine Debatte entspinnt:

Denn dem Historiker Jörg Kraus, Historiker und Autor des Buches Für Geld, Kaiser und Vaterland – Max Duttenhofer, Gründer der Rottweiler Pulverfabrik und erster Vorsitzender der Daimler-Motoren-Gesellschaft, ist die Darstellung Duttenhofers als gieriger Ausbeuter zu harsch und einseitig. Am 24.11. veröffentlichte er im Schwarzwälder Boten eine Korrektur des Bildes unter dem Titel Ein Charakter zwischen Gier und Hilfsbereitschaft. Kraus relativiert darin einige der Negativzuschreibungen und führt verschiedene Stimmen an, die dem umtriebigen Pulverfabrikbesitzer auch angenehmere Eigenschaften bescheinigen (wobei die dabei zitierten Nachrufe wohl nicht immer für bare Münze genommen werden dürfen, wie Kraus auch selbst in seinem Buch schreibt) .

Der rechte Pöbel-Blogger Schantle, in Rottweil für geifernden Hasskommentare zu allem, was seine braune Heimatlichkeitsblase anrührt, berüchtigt, lässt sich diese Diskussion nicht entgehen. In üblicher Beisswut werden gebetsmühlenhaft wiederholte Klischeekeulen rausgeholt, um von „linken Schmierfinken“, „linksversifften Maßstäben“ und „roter Gülle“ zu schreiben. Woraufhin ein werter Mitstreiter, der sich den vielsagenden Namen „Tempelritter“ gibt, sogleich vom „geistigen Selbstmord“ spricht, den man begehe, wenn man solche „linken Drecksäcke“ gewähren lasse, die ein „stalinistisches System“ aufbauen wollten. Und so geht es weiter mit den Grüßen aus dem braunen Abseits, wo Militarismus Nestwärme zu bedeuten scheint…

Wie die also jetzt schon umstrittene Gier-Ausstellung Max Duttenhofer dann tatsächlich darstellt? Man wird es sehen, wenn das Haus der Geschichte Baden-Württembergs wieder seine Türen öffnen darf. Es gibt über Max Duttenhofer, seine Unternehmungen und sein Umfeld in jedem Fall mehr als genug Spannendes zu erzählen. War dieser doch eine komplexe Persönlichkeit, die sich nicht so leicht auf einen Begriff bringen lässt – ebenso wie die zahllosen Projekte und Prozesse, in die dieser involviert war.

Das wird auch mein Roman – der den historischen Duttenhofer nur zum Vorbild für einen nicht genauer benannten Protagonisten nimmt – zeigen, weshalb er eine Vielzahl von Erzählern und Blickwinkeln wählt, um Pulverkönig, Pulverstadt und Pulverzeitalter samt all dem Streit, der sich mit und um ihn entwickelt hat, zu beleuchten.

Im vertrauten Dschungel der Transparenz

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Seit wir unser Haus mit Glas umschlossen haben ist uns nichts mehr fremd. Alles spielt sich in unseren Fenstern ab: der Fluss der Menschen, der Zug der Vögel, das Wachsen des Grüns und der Maschinen. Alles ein Gleiten auf glatten Flächen – nur durch eine dünne Schicht von uns getrennt.

Wir verzeichnen wachsende Spiegelmaschinerien, verbesserte Glastechnologien, unmerkliche Ersetzungen. Eine feine, kühle Magie, die uns mit sich zieht wie die Wolken in den Fassaden.

POING Zukunft

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Am Freitag, 4.9., findet die Vorstellung der Anthologie „POING | ZUKUNFT“ in der Schwartzschen Villa in Berlin-Steglitz statt. Vier Lyrik- und Fotozyklen aus dem Band werden präsentiert.

Ursula Seeger und ich werden unseren Zyklus „Wellen und Kreise“ vortragen, des Weiteren lesen Annalisa Hartmann, Lars-Arvid Brischke und Sina Nowikow. Die Moderation übernehmen die Herausgeber und Verleger der Anthologie, Christian Vater, T. G. Vömel.

Die Lesung beginnt um 20:00 Uhr und findet im Großen Salon der Schwartzschen Villa statt (Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin, U9 Rathaus Steglitz / S1 Rathaus Steglitz – Weitere Infos unter https://www.berlin.de/land/kalender/index.php?detail=135756&ls=0&c=91&date_start=04.09.2020&date_stop=04.09.2020 – Achtung, als Anfangsuhrzeit ist auf der Veranstalterseite 19:30 angegeben, tatsächlich wird die Lesung um 20:00 beginnen).

POING ist eine vom vauvau-verlag für interaktive lyrik 2017 ins Leben gerufene Anthologie-Reihe, die alle zwei Jahre zu unterschiedlichen Themen erscheint. Sie präsentiert Gemeinschaftsarbeiten von Autorentandems, die sich medienübergreifend in Wort und Bild dialogisch begegnen. Dem Verlagskonzept entsprechend bringen dabei alle Beteiligten sowohl Bilder als auch Texte in die Arbeit ein.Insgesamt erscheint die im zweiten Band der Anthologie entworfene ZUKUNFT über die Generationen hinweg eher zweifelhaft, keineswegs so verheißungsvoll, wie es uns Vertreter der Werbebranche, der New Economy oder Smart-Living-Visionäre verkaufen wollen.

Die Beiträge nehmen diesbezüglich sehr unterschiedliche kritische Positionen ein, ohne dabei ins allzubekannt überzeichnet Apokalyptische abgleiten zu müssen.Vielleicht gerade weil sich das Zukünftige unserem Zugriff entzieht, spüren die Bilder das Zukünftige im Gegenwärtigen auf und entwerfen von diesem Ausgangspunkt neue Pläne und Zukunftskartografien, nutzen die visuell inszenierten Alltagsobjekte spielerisch als Prognoseinstrumente.

Die Texte hingegen wagen in der Zeitachse den Blick zurück, zurück in die literarische Tradition, wie zum Beispiel zu Hölderlin oder in private Erinnerungsarsenale. So wird der ganze Zeitstrahl in den Blick genommen und die Zukunft aus der Vergangenheit und der Gegenwart extrapoliert, vielleicht als altbekannte, sich nur wiederholende Zukunft, vielleicht auch als unwiederbringlicher Verlust, wenn zum Beispiel Bäume – ähnlich wie ausgestorbene Tiere im Zoo oder im Museum – nurmehr in privaten Erinnerungsarchiven oder lyrischen Sprachreservaten überleben.

Neue Gewächshäuser

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Unser Haus ist am Wachsen. Es legt tüchtig zu. Nur gelegentlich ruht es sich für einen Moment aus, macht einen kleinen Break. Dann geht es wieder weiter. Es hat noch viel vor.

 

Immerzu sprießt Neues in unserem Haus, aber auch Altes verschmäht es nicht. Unser Haus weiß nur zu gut: Man darf nicht wählerisch sein, wenn man auf Expansionskurs ist.

So lockt unser Haus jeden an, der in seine Nähe kommt. Es verspricht alles zu werden, was man sich nur wünschen kann. Jede Saat soll in ihm aufgehen. Unser Haus meint es Ernst mit dem Wachsen.

(Collagen gemeinsam mit Ursula Seeger)