„Unbedingt lesen!“ Besprechung PULVER von Eifelleser-Buchkritik

Gepostet am

Peter-Stephan Cremer hat für „Eifelleser-Buchkritik“ eine schöne Besprechung zu meinem Roman PULVER verfasst.
Darin heißt es:

„… Pulver bereitet deshalb ein Lesevergnügen besonders beklemmender Art, werden doch
Kriegsgräuel, politische Intrigen, Verwerfungen und individuelles Scheitern so packend
erzählt, dass es unmöglich ist, den Roman aus der Hand zu legen, hat man sich erst einmal
eingelassen auf die Geschichte des Pulvermüllers Duttenhofer, des Militarismus und der
Auswüchse politischer und menschlicher Verblendung.


Ein ganzer Roman eben. Unbedingt lesen! Pulver, ein historischer Roman – unser aller Aufklärung
verpflichtet!“

Hier die ganze Besprechung:

Reißer, Johann
Pulver

FVA, ISBN 978-3-627-00347-0, 480 S.

„ … von hier aus sei alles gelenkt worden, hier liefen die Stränge zusammen: die große
Beschleunigung und die große Vernichtung, Geschwindigkeitsrausch und Todestrieb,
Welteroberung und Weltvernichtung. Aber hätte sich das alles nicht auch anders entwickeln
können, überlegt Rose.“ (S. 477)

Vielleicht hätte Max Duttenhofers Urenkelin besser daran getan, 2020 nicht zum Narrensprung nach Rottweil zu reisen. Doch da sind die Andeutungen ihres Vaters und die
verrauschten Tonaufzeichnungen der namensgleichen Großmutter aus dem letzten
Jahrhundert. Die haben sie neugierig gemacht auf den Urahn Max Duttenhofer, den
berühmten Mann des 19. Jahrhunderts, dessen Erfindung des raucharmen Schießpulvers ihn
zu einem der mächtigsten und einflussreichsten Männer des Kaiserreichs gemacht hat.

Wer war dieser Apothekersohn, dessen Lebensweg von der Vervollkommnung Tod und
Verzweiflung bringenden Schwarzpulvers geprägt war, dessen Aufstieg als Pulverfabrikant
unweit von Stuttgart das Fundament der deutschen Rüstungsindustrie bildete, der zum
vielfach vernetzten Strippenzieher in Zeiten der Industrialisierung und des immer brutaler
werdenden Nationalismus wurde, dessen Verbindungen zu Daimler, Maybach und Mauser
ihm zu schier unermesslichem Reichtum verholfen haben? Wobei der Preis, den er letztlich
für seinen kometenhaften Aufstieg zu zahlen hatte, ein fürchterlich hoher war.

Der 1979 in Regensburg geborene Johann Reißer wurde als Stadtschreiber von Rottweil auf
die Person des Großindustriellen Max Duttenhofer aufmerksam, dessen Vita dann zur
Keimzelle des Romans Pulver werden sollte. – In dem allerdings weit mehr erzählt wird als
nur die Lebensgeschichte Max Duttenhofers. Hat Reißer doch mit Pulver einen
„mitreißenden Familien- und Epochenroman [verfasst], der einen erzählerischen Bogen
zwischen ausgehendem 19. Jahrhundert und dem 21. Jahrhundert spannt.“ (U4)

In Form einer Familien- und Zeitchronik entwirft Reißer ein historisches Panorama,
beginnend 1859 und endend 2020. Das Leben in der süddeutschen Provinz wird dabei
ebenso beschrieben wie die Entwicklung Berlins zur pulsierenden Metropole. Ländliche
Idylle steht neben den Katastrophen von Weltkrieg, Börsencrash und Faschismus.

Dass alles Erzählte aber nicht allein einer vergangenen Epoche zuzuschreiben ist, machen die
beiden Leitsätze deutlich, die Reißer seinem Roman voranstellt: Jede neue Technologie
erfordert einen neuen Krieg. Marshall McLuhan / Es ist unglaublich, dass nichts von dem, was
man geschichtlich für überholt hielt, wirklich verschwunden ist; alles ist da, bereit zur
Wiederauferstehung. Jean Baudrillard (S. 5)

Heutzutage produzieren Unternehmen wie Heckler & Koch, Rheinmetall und Junghans die
Materialien, die für unzählige Tote und Verstümmelte, unvorstellbares Leid und psychische
Entwurzelung verantwortlich sind. – Was sich hätte anders entwickeln können (und sollen)
nach so viel leidvoller Erfahrung von zwei verheerenden Weltkriegen, ist sich eben leider
gleich geblieben (s.o.). Genau davon erzählt Reißer in seinem Roman ungemein spannend,
formal wie inhaltlich jederzeit überzeugend.

Pulver bereitet deshalb ein Lesevergnügen besonders beklemmender Art, werden doch
Kriegsgräuel, politische Intrigen, Verwerfungen und individuelles Scheitern so packend
erzählt, dass es unmöglich ist, den Roman aus der Hand zu legen, hat man sich erst einmal
eingelassen auf die Geschichte des Pulvermüllers Duttenhofer, des Militarismus und der
Auswüchse politischer und menschlicher Verblendung.

Pulver beginnt und endet mit der regelrecht Angst einflößenden Schilderung verschiedener
Narrenumzüge. Denn in der scheinbaren Ausgelassenheit der Fastnacht kommt eben alles
zusammen: „Zeiten und Wirklichkeiten, […] Masken und Gesichter …“. (S. 475) – Ein ganzer
Roman eben. Unbedingt lesen! Pulver, ein historischer Roman – unser aller Aufklärung
verpflichtet!

SUPPORT YOUR LOCAL BOOKSHOP
©Eifelleser-Buchkritik, Peter-Stephan Cremer, März 2026

Hinterlasse einen Kommentar