Im Auge der Tullnerfelder Sonne

Gepostet am Aktualisiert am

Manchmal treffen die Bilder erst ein bisschen später ein, was verschiedene Gründe haben kann.

Zum Beispiel verschlungene Bildpfade mit ganz besonderen Übermittlungskonditionen. Oder Bilderkammern mit besonderen Zeitlogiken. Oder Bildbrechungsflächen, die das, was sie spiegeln, so seltsam zurückwerfen, dass es der Betrachter erst wesentlich später wieder richtig zusammenpuzzeln kann.

All das kann einem im Tullnerfeld leicht passieren, wie ich vor ein paar Wochen erfuhr. Denn dort ploppen die wundersamen Eigenwelten an allen Ecken auf wie indisches Springkraut, sobald man sich erst Mal ein bisschen ins Dickicht des Landes begibt.

Zum Empfang in einem gastlichen Haus wird man im Tullnerfeld etwa gern von einem gigantischen Solargrill begrüßt, der einem sogleich ein zerbrochenes Bild seiner Selbst, garniert mit verschiedenen Haus- und Landschaftsdetails serviert. Hierauf wird einem dann gerne die Gesellschaft verschiedenster alter Automaten angeboten, funktionaler und dysfunktionaler, die einem nach Möglichkeit Musik, Erdnüsse und Kaugummis zu servieren bemüht sind und die bevorzugt in mehrgeschossigen Wintergärten hausen. Wozu wohl dort eine gläserne Brücke zu einem frei schwebenden Spiegel führt, mag man sich fragen. Und ob das ganze wohl nur ein Drogentraum aus den 60er-Jahren ist. Aber nein: das ist das Tullnerfeld.

Sonnengrill Tullnerfeld oa… Wo man dann etwa weiter in ein Haus stolpert, das scheinbar ausschließlich dem Zweck dient, alle möglichen Dinge zu beselen, indem man sie seltsame Formen annehmen lässt, wozu tausenderlei Werkzeuge und Gerätschaften, die das Haus bewohnen, dienen, diese aber wiederum auch nicht vor dem Schicksal, dass sie den anderen Dingen zukommen lassen, gefeit sind. Denn auch sie können sich rasch durch die Einwirkung wiederum anderer Dinge verwandeln. Und so geht es weiter in dem Reigen. Und die Dinge bleiben mit diesem ihrem seltsamen Gebahren dann auch nicht einfach im Haus, nein, sie drängen aus dem Haus heraus und bevölkern das Tullnerfeld, wo dieser fortlaufende Verwandlungsprozess dann bald auch noch wer weiß noch was alles ergreifen mag.

Tullnerfeld Wesen 1Andere innerhäusliche Eigenwelten deuten sich dagegen ganz dezent an und lassen einem die Wahl, ob man sie nun wirklich kennenlernen möchte oder nicht. Doch wer kann schon der charmanten Einladung eines alleinstehenden Pfluges wiederstehen?

Tullnerfeld Pflug

Und so becircen einen die seltsamen Welten des Tullnerfeldes auf Schritt und Tritt. Wohl dem, der Ihnen begegnen und sie kennenlernen darf. Und wohl dem, der für alle Fälle dann aber auch ein gutes Rad bei sich hat, um ihnen notfalls auch wieder rasch zu entkommen.

Tullnerfeld Rad 2

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