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Die Spur des Drachen
Wir folgen dem Drachen, wir folgen ihm nach.
Was wären wir ohne sein Feuer, ohne seine Flügel,
Was ohne seinen Schwanz, ohne sein Blut?
Nur so lang‘ der Drache stirbt werden wir hier leben.
Das wussten wir schon immer, so wird es sein.
Darum: Es lebe der Drache, es lebe sein Tod!
Am Drachen hängt alles.
Er ist stärker als wir.
Ohne ihn funktioniert nichts.
Ohne ihn würde hier rasch alles leer stehen,
Ohne ihn wären wir nutzlos:
Wir, das Volk der Drachenbesieger.
Nur der Drache kann unser Brötchen verdienen,
Nur der Drache kann Trinker und Esser zu uns ziehen,
Nur der Drache kann Kundschaft und Ladenschilder zum Glühen bringen.
Nur der Drache kann uns vor dem Niedergang retten.
Deshalb dürfen wir nicht schwach werden im Glauben an ihn.
Denn werden wir schwach, so wird’s auch der Drache.
Dann liegt er traurig verwaist in unsren Vitrinen,
Dann blättert sein Blut trist von den Wänden unsrer geschlossenen Betriebe,
Dann weichen seine Pappmachezähne im Regen.
Dann verstumpft sein Blick vom Glotzen
Aus den Türmchen unsrer Casinos,
In die es keinen mehr zieht.
Dann hilft keine neue Drachen-Erlebniswelt mehr,
Keine neue Komfortliegezone am Drachensee,
Kein neues Drachenmuseum:
Dann brauchen wir einen neuen Drachen.
Ein Drache, wie ihn die Welt
Noch nicht so sterben sah.
Keinen Klapperdrache mehr, gefüllt mit alten Maschinen –
Einen Drachen, um den uns Hollywood neidet:
Ein Drache mit Raumfahrttechnik in den Knochen und Megashoweffekten im Blut.
Ein Hightech-Drache, der Monitorhöhlen bewohnt,
Gehegt von hochqualifizierter Drachenführern,
Jederzeit bereit zum Sterben auf Weltniveau:
Mit finsteren Drachenblicken zu dramatischer Drachenmusik,
Mit loderndem Drachenfeuer aus bebendem Drachenschlund,
Mit wild spritzendem Drachenblut nach präziser Todeschoreographie.
Und dann muss er wieder aufstehen und weiterstapfen,
Denn er wird gebraucht: auf dem Schwertkampfplatz und bei der Fladenbäckerey,
Bei Mittelaltergenüssen und regionalen Schmankerln,
An der bemalten Kulissenwand vor dem Mummenschanz,
Wo jedermann zu Ritter und Burgfräulein wird,
Und beim Holzwurmzirkus, wo Jolandolo von Birkenschwamm
Die Kinder nun wieder fragt,
Ob man jetzt endlich anfangen soll
Mit dem Prinzessinnenbefreien und Drachenstechen.
Nach altem Brauch.
Denn nur so lange der Drache stirbt werden wir hier leben.
Das wussten wir immer, so wird es sein.
Tänze und Kränze: 12 Rückspiegel
Zack Bumm!
So zündet das Fass im alten Pulverwerk
Und hallt nach wie Peitschenhiebe
In der grünen, grünen Au.
Die Türme wackeln nicht,
Sie schießen wie
Beohrte, wie beäugte Spargel
Wie Schießstöcke in den Himmel:
Zack Bumm.
Wie in einem Film aus alten Tagen:
Donnerlittchen, es wird heiß!
O Para, o dies, es lockt…
Die Hundsrose lockt.. . .
Sollen wir also türmen? . . .
Mit all dem Pulver im Blut? . . .
Nach Dogville? . . .
Sollen wir?
Aller guten Dinge sind Drei. Legenden sind Leid. Traurig sind aller Guten. Drei Dinge liegen in Dir: Du, Er, Es. Laugt es Dir, dring‘ ein. Alle Tugend luegt. Lange sind Drei in der stillen Runde. Da ging er und die Dinge sind alle irre. Tugend ist der Ring in Galle, den Du in Dir leidest. Runde Galgen sind alle Ringe der Tugend.
(U. Zürn)
. . . Sie ragen seltsam… kragen düster. Wir mauern und lauern.
Was sich da regt, was sich bewegt, . . . belagern wir . . .
. . . Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei . . .
Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr anderen singet und spielt . . .
Schwarze Milch der Frühe . . .
Er ruft spielt süßer den Tod … der Tod ist ein Meister aus Deutschland . . . sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus . . .
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland . . .
Schwarze Milch der Frühe . . . wir trinken und trinken . . .
(Paul Celan)
O dieses ist das Tier, das es nicht gibt. Sie wußten’s nicht und haben’s jeden Falls – sein Wandeln, seine Haltung, seinen Hals, bis in des stillen Blickes Licht – geliebt.
Zwar war es nicht. Doch weil sie’s liebten, ward
ein reines Tier. Sie ließen immer Raum. Und in dem Raume, klar und ausgespart, erhob es leicht sein Haupt und brauchte kaum
zu sein. Sie nährten es mit keinem Korn,
nur immer mit der Möglichkeit, es sei.
Und die gab solche Stärke an das Tier,
daß es aus sich ein Stirnhorn trieb. Ein Horn. Zu einer Jungfrau kam es weiß herbei – und war im Silber-Spiegel und in ihr.
(R. M. Rilke)
So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben lässt. Morgens noch in Schlaf und Traum Mittags schon dahin. Abends schon zu unterst im Grabe drin.
Die Schlacht ist unser Freudenhaus. Von Blut ist unsere Sonne. Tod ist unser Zeichen und Losungswort. Kind und Weib verlassen wir – Was gehen sie uns an? Wenn man sich auf uns nur Verlassen kann. . . .
(H. Ball)
Hoorig, hoorig, hoorig isch dia Katz.
Un wenn dia Katz nit hoorig isch
no g’fällt se dene Meidle nit.
Hoorig, hoorig, hoorig isch dia Katz.
(W. Pfeiffle)
Rot winde den Leib,
Brot wende in Leid,
ende Not, Beil wird
Leben. Wir, dein Tod,
weben dein Lot dir
in Erde. Wildboten,
wir lieben den Tod
(U. Zürn)
. . . Wie stehen die Zeichen?
Über den Wipfeln / Wird das Zelt hochgezogen, / In den Kapseln sammelt sich Zeit.
Bald zeigen sich Himmelskörper, / Kreisende Sirenen, / Die Fäden spinnen:
. . . Im Spiel spiegelnder Sphären, / Wandelbare Kosmologien:
. . . Denn alles kreist in diesem Licht / Um diesen Stern.
Die Klapper des Narren
sie dreht sich unermüdlich
schon morgens mit allem Geschrei
sie dreht sich nach dem Wind
wir wenden uns mit die
Klapper des Narren die drehen
wir ohne Unterlaß die Fahnen
heraus und geschwenkt
so heißt es ein Staatsakt gedenken
wir gedenken es innig was
wir gedenken im Frack mit Zylinder
Gamaschen gerollt
die Klapper des Narren
sie ruft uns zum Tanz
wir widerrufen uns immer
es kostet uns nichts
wir singen ein Lied
drei vier mit Marschtritt
wir rasten und rosten
nicht wir kleben auch Tüten und beten
am Abend wir tanzen dazu Allotria
die Klapper des Narren
geht um im Land . . .
(R. D. Brinkmann)
Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung! O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!
. . . Tiere aus Stille drangen aus dem klaren
gelösten Wald von Lager und Genist; und da ergab sich, daß sie nicht aus List und nicht aus Angst in sich so leise waren, sondern aus Hören.
… und ging hervor aus diesem einigen Glück von Sang und Leier und glänzte klar durch ihre Frühlingsschleier und machte sich ein Bett in meinem Ohr.
Und schlief in mir…
Gesang . . . ist nicht Begehr, nicht Werbung . . .
Gesang ist Dasein.
Für den Gott ein Leichtes.
Wann aber sind wir?
(R. M. Rilke)
Die zweite Schicht, das zweite Gesicht
Von poetischen Kuckuckseiern, doppelbödigen Geschichten und Orpheus unter Waffen und Masken: meine (Zwischen)Abschiedsrede als Rottweiler Stadtschreiber in der NRWZ. 
Von verschwundenen Socken, Handys und anderen Dingen
Auf der „Insel der verschwundenen Dinge“ tauchen all jene Dinge auf, die anderswo verschwunden sind: Socken, Handys, Brillen – oder auch viel wichtigere Dinge.
Als Maya auf dieser Insel ankommt weiß sie weder, was sie an diesem Ort soll, noch was die mit ihr sprechenden Dinge von ihr wollen. Doch langsam geht ihr ein Licht auf…
Dieses Stück, das ich gemeinsam mit Laura Kraemer, Isabel Mahler und Leo Bormann im Rahmen der von mir geleiteten Jugendschreibwerkstatt Rottweil schrieb, wird heute abend von 10 Rottweiler KonviktorInnen im Rahmen einer szenischen Lesung vorgestellt.
Fragen des Ebenseer Kreuzstichs an unsere Zeit
Fleißarbeit oder verborgenes Leistungsprinzip?
Das ist eine der entscheidenden Fragen, die der Ebenseer Kreuzstich an unsere Zeit richtet:
http://www.fabianfaltin.com/excellence-in-ebensee/
Antworten auf diese Frage lassen sich wahlweise sticken oder tanzen.
Mit der Swiftflo-Evolution der Spezies auf dem Weg zur neuen Harmonie der Effizienz
Auf den Lebensmittelverpackungen im Supemarkt stehen unsere Nutztiere auf saftiggrünen Weiden vor dem Hintergrund schneebedeckter Berge, rauschender Wälder oder alter Bauernhäuschen. Sind die Tierhaltungs-Profis dagegen unter sich, so wie etwa bei der EuroTier, der weltgrößter Messe für Tierhaltung, die ich vor Kurzem in Hannover besuchte, sieht das Ganze etwas anders aus. Mit dem Wechsel von der Konsumenten- zur Produzentenperspektive tritt auch ein Genrewechselauf: von der Heimatsidyll-Romantik zum Cyberpunk-Schocker.
Dabei geht es weiterhin um Gefühle, jedoch wird das Gefühlsregister ausgeweitet und etwas direkter angesprochen.
Auch sind und Liebe und Nachwuchs weiterhin wichtige Themen, die nun aber angegangen werden, wobei Speziesgrenzen zumeist deutlich abgesteckt werden, gelegentlich aber auch aufweichen.
An Bergidyllen noch die kleinen Tempelchen der Reproduktionstechnik, die da und dort auf der Messe aufgebaut sind.
Wobei es auch an quasi-sakraler Inszenierung der neuesten Spitzenzüchtungslinien von High Quality Spermien nicht mangelt.
Der Heilsplan verweist in Richtung einer sich ständig optimierenden Harmonie, in der das Beste stetig noch besser wird.
Auch Mutter-Kind-Geschichten werden erzählt, allerdings in der Tier-Maschinen-Variante.
Orte der Besinnung sind ebenfalls zu finden, wie etwa bei dieser Anordnung, die wohl nicht zufällig an Nam June Paiks Installation „TV Buddha“ erinnert.
Ansonsten scheut man auf der EuroTier nicht an deutlichen Botschaften und einem klaren Bekenntnissen zu Kernwerten.
… und spricht sich auch über Zukunftsperspektiven unverhohlen aus.
Die ungebrochen optimistischen Zukunftsphantasien mögen den einen an religiöse Heilsversprechungen erinnern, den anderen an politische Propaganda.
Und auch für das letzte Stündlein steht Angemessenes bereit, so etwa dieser Schweinekadaverwagen, wobei die ihm beigestellte Dekoration ja vielleicht als vielschichtiger Anlass zum Nachdenken gewertet werden kann.
Oder auch nicht. 
Mit dem EuroTier-Krafttier auf Tour
Mach mich gleich auf den Weg zur EuroTier, der „weltweiten Leitmesse für Tierhaltungs-Profis“ in Hannover. Hab mir hierzu noch geschwind ein Portrait des Krafttiers der Messe gebastelt.
Türmen, Taufen: Zwei Testläufe
Türmen
„Welcome to the next level.“
(www.thyssenkrupp-elevator.com)
Sollen wir türmen?
Oder vorm Türmen türmen?
Dem Türmen Türme türmen?
Sollen wir?
Also: Türmen, so wie schießen?
Auf Spatzen mit Tauben
In die Wolken
Mit Hochgeschwindigkeit,
In den Himmel?
Wie Spargel,
Wie sprießende Pilze,
Wie einsame Einhörner,
Türmen?
Und dann:
Mit schwelgerisch schweifendem Auge,
Die Voraussicht im Netz
Vorausschauend auf neue Zufriedenheitsplateaus?
Was zeigt die Turmuhr?
Was schlägt sie dem Türmer?
Es geht um Weitblick, es geht um Aussichten,
Um beste Aussichten, Aussichten in die Weite,
Aussichten in die Ferne, um steigende Aussichten,
Um Aussichten in die Zukunft,
Um immer weiter ausblickende Aussichten –
Ein Türmer, der da Ungetümes denkt.
Also türmen.
Türmen als Voraussetzung, Türmen als Möglichkeit,
Türmen als Bedingung, Türmen als Potential,
Türmen als Aussicht, Türmen als Test,
Türmen als Realität.
Türmen als Voraussetzung der Entwicklung der Bedingung der Möglichkeit
Der potentieller Aussichten auf Testmöglichkeiten unter Realbedingungen des Türmens.
Was nicht heißen soll, vorm Türmen zu türmen.
Sondern: –
Taufen
„Staunend blick ich in die Runde,
Ringsum herrliche Alleen,
Wandelhallen, stolze Villen,
Aussichtstürme auf den Höhen.“
(Auszug aus einem Gedicht auf die Zukunft Rottweils, erschienen in der Schwarzwälder Bürgerzeitung vom 16.3.1903)
Endlich Türmen.
Endlich zu Turmbläsermusik kräftig ins Erdreich stoßen
Und Sonnenschein, strahlende Mienen und kein Protestplakat weit und breit.
Schluss mit Vor- und Nachrechnen:
Jetzt geht es hoch hinaus!
Das gibt Zu- und Aufschläge, Vorteile, die neidisch machen,
Das belebt!
Fehlen nur noch die Türmtüpfelchen:
Ein Taufname, der die vorglühenden Herzen erhebt.
Also: Auf welchen Nenner die Türmerträume bringen,
Den Turmzahler nicht gleich kürzen?
Es empfiehlt sich ein Testlauf:
Erheben sich die Herzen beim „Albblick-Turm“
Oder finden Alb-Träume besser im „Schwaben-Tower“ Platz?
Funkeln die Herzen im „Lift to the Stars“ oder wird ihnen schwindlig?
Schraubt sich der „Riesenbohrer“ in die Herzen,
Bringt der „Sky Screw“ sie zum springen?
Beherzigt „Turris Excelsa“ Bildung oder Sprachverwirrung,
Verliert sich die „Rottweiler Neckar Nadel“ im Heuhaufen der Herzen?
Erglühen die Herzen bei „Tower of Lights“,
Erblassen sie bei „Fallus“, zweifelnd am Standvermögen,
Steht „Power-Tower“ der projizierten Potenz gut?
Das alles gilt es zu testen.
Damit das Türmen die Herzen
Mitnimmt auf die Reise
In die unendliche Weite
Des Lands der Türmer,
Wo –
Expedition ins Herz der motorisierten Bollerhüte
Strange days have found us. Da steht ein Mercedes mit Bollerhut auf einem Supermarktplatz, er hat sich sich als Schinken verkleidet hat. Was will er einem sagen? Bodies confused, memories misused?
Man geht in einen Antiquitätenladen, bewundert die Fasnetfigurenpuppen. Dann schaut man unter die Larven und stellt fest, dass es Babypuppen sind, welche die dämonischen Masken tragen. We chased our pleasures here,
Dug our treasures there.
Man besucht ein Museum, setzt einen Hut auf, schaut in einen Spiegel und schon findet man sich verwandelt in einen von jenen, die das rastlose Ticktack der Schwarzen Wälder in alle Welt hinaus tragen müssen – Go ask Alice, I think she’ll know.
Über all das muss man sich eigentlich nicht wundern, denn der Schwarzwald ist ein magischer Ort, so die Schwarzwald Tourismus GmbH.
Indem der Schreiber dieser Zeilen sich kaum mehr sicher sein kann, dass seine Finger nicht schon vom Ticktack des Schwarzwaldes gelenkt sind, übergibt er das Wort an dieser Stelle einem Wahlverwandten der Bollerhut- und Uhrenträger aus dem Land des Rationalismus:
»Wenn du die Zeit so gut kennen würdest wie ich,« sagte der Hutmacher, »würdest du nicht davon reden, wie wir sie anwenden, sondern wie sie uns anwendet.«
Leise wächst die Zeit, gepresst hinter Glas.
„Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung! / O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr! / Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung / ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.“
(aus: Rainer Maria Rilke, Sonette an Orpheus)
































