Letzte Event-Updates
Wellen und Kreise
Der von Ursula Seeger und mir erstellte Gedicht- und Fotozyklus „Wellen und Kreise“ ist soeben in der schönen Anthologie „POING IN WORT UND BILD |ZUKUNFT“ im vauvau-Verlag erschienen. Die Herausgeber Christian Vater und T. G. Vömel schreiben im Einleitungstext dazu:
„Johann Reißer und Ursula Seeger bewegen sich in ihrem Anthologiebeitrag im Wechselspiel von Bild und Text einen Fluss entlang. Die Arbeit kreist dabei in ihrer strengen formalen Abfolge sehr anschaulich um die Themen Zeitlichkeit und Zukunft. Die Fotos hierzu entstanden auf einer gemeinsamen Fahrradtour im Sommer 2019 am Neckar. Aus den Aufnahmen, die beide abwechselnd meit einer Fotokamera schossen, wählten beide je vier Fotos für ihre eigenen lyrischen Zugriffe aus, die unterschiedliche thematische Schwerpunkte setzen.
Der eine Zugriff aus vier Gedichten nimmt physikalische Phänomene und damit verknüpfte Zeit- beziehungsweise Zukunftskonzeptionen in den Blick. Das Verstreichen und Verrinnen der Zeit wird sprachlich auf das Medium Wasser übertragen, mit seiner spiegelnden Oberfläche, seinem Dahinfließen, Kreisen, Wirbeln und Schlierenziehen, seinem unendlichen Licht- und Schattenspiel.
Der andere Zugriff fokussiert sich auf die Entwicklung der industrialisierten Zeit und deren Zukunftsregime. Die Flussbilder weisen zivilisatorische Einschreibungen wie Fabrikschlote, Eisenbahnbrücken und Hochhäuser als Spiegelungen auf der Wasseroberfläche auf. Die darauf reagierenden vier Gedichten haben jeweils die gleiche Form und schreiben sich inhaltlich fort.
Der Schreibprozess verlief in stetigem Austausch. So entstanden zwei Text- und Bildstränge, die sich in ihrer Anordnung abwechseln, aufeinander reagieren und vielfache Bezüge zueinander aufbauen. Die Bewegung dieses verflochtenen Text- und Bildbandes verläuft flussabwärts.“
Hier ein Gedicht von mir aus dem Zyklus:

Am Freitag, den 4. September, 20:00 Uhr werden wir den Zyklus im Rahmen einer Buchpräsentation in der Schwartzschen Villa in Berlin vorstellen. Zudem werden weitere AutorInnen aus der Anthologie lesen.
Hinter den Spiegeln

Es gibt wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung einer Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierungen oder Widerlager, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können.
Da sehe ich mich, wo ich bin: in einem unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut; ich bin dort, wo ich nicht bin, eine Art Schatten, der mir meine eigene Sichtbarkeit gibt, der mich mich erblicken lässt, wo ich abwesend bin. Der Raum, den ich einnehme, während ich mich im Glas erblickt, wird ganz wirklich und verbindet mich mit dem ganzen Umraum, den er zugleich ganz unwirklich macht, da er nur über virtuellen Punkt dort wahrzunehmen ist.
(Variation über Stellen aus Michel Foucaults Aufsatz „Andere Räume“)
Neue Schichten
… das vielgerühmte Zeitalter der wissenschaftlichen Entdeckungen und technischen Fortschritte bietet das seltsame und bis dahin ungesehene Beispiel einer Kunst, die, völlig entwurzelt und jeder natürlichen Überliferung beraubt, mit überzeugtem Ernst die Lösung des Problems unternimmt…

… geleitet von einem sicher geschulten Proportionsgefühl und getragen von einer bescheidenen Würde akademischer Erziehung…

Charakteristisch für den Geist dieser empfindsamen Epigonenkunst ist die lyrisch-sentimentale Art, in der diese grasziösen Entwürfe dargestellt sind…

Diese Epigonenkunst war in all ihrer Bescheidenheit nicht ohne Grösse, da sie sich ihrer Grenzen stets bewusst blieb und niemals mehr zu geben sich anmaßte, als sie vermochte.

Es fehlt diesen Architekturen zwar jede Ursprünglichkeit … doch mit bewunderswerter Geschicklichkeit verstehen sie, den Duft, den Stimmungsreiz des Historischen zu reproduzieren.

(Textpassagen aus: Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe, 14/1916)
Im Käfig – zwischen Paris und Lambertsneukirchen
Jetzt online: Das Gespräch zwischen dem bei Borussia Mönchengladbach spielenden Fußballprofi Ibo (Ibrahima) Traoré, der früher einmal Schriftsteller werden wollte, und mir als Schriftsteller, der bei der deutschen Autorennationalmannschaft kickt.
Mehr zu dem Gespräch und zu der vom Bundesamt für politische Bildung geförderten Webvideo-Serie „Im Käfig“ unter http://www.imkaefig.de
Das andere Web
Der Mensch ist ein Gewächs, das nicht in der Erde, sondern im Himmel wurzelt, so liest man bei Platon. Was erwächst daraus?
Wenn Himmelswurzler in die Tiefe gehen –

Wo werden uns unterirdische Triebe seltsam? Wo fremdartig? Wann beginnen wir, den unteren Welten entgegenzuwachsen?

Fuchsgefieder
Jenseits des Gestrüpps von Jäger und Gejagtem spielt der Fuchs gerne das Verwandlungsspiel. Oder den Waldorpheus.
(… Spurenfunde: Jagd- und Fischereimuseum München)

Wellenverläufe
Im Juli 2019 arbeitete ich an der Fortführung der Lyriksequenz „MASCHINENWÄSCHE locus vogelsang“. Es soll daraus eine umfangreichere Arbeit entstehen, die im Wechselspiel von Gedichten, Fotos und Sounds den Verläufen des Neckars nachgeht. Hier einige neue Fotos dazu.











