Streit um Gier und Pulvergeschäfte

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Im Haus der Geschichte Baden-Württembergs soll demnächst eine Sonderausstellung zum Thema GIER. WAS UNS BEWEGT eröffnet werden. Als ein Musterbeispiel für das Laster der Gier wird dabei auf Max Duttenhofer besonders eingegangen – der Protagonist meines hoffentlich bald erscheinenden Romans „Pulver“.

Das HdGBW nennt Duttenhofer im Ausstellungsteaser den „unersättlichen Pulverkönig“ und schreibt, dieser habe nicht nur seine Fabrik immer weiter ausgebaut und sich Dank glänzender Beziehungen das Monopol für Pulver in Deutschland gesichert – was ihm aber nicht gereicht habe. Er habe auch andere Unternehmen kontrolliert und zeitweise Gottlieb Daimler aus dessen eigner Firma gedrängt.

In einem am 7. November erschienen SPIEGEL-Artikel führt der Ausstellungskurator und Historiker Rainer Schimpf das alles genauer aus. Er spricht dabei von dem so rätselhaften wie spektakulären Leben des Großindustriellen Duttenhofer. Wobei er sich verwundert zeigt, dass der aufregende Stoff, den dessen Leben und Wirken bietet, bisher noch nicht einem breiteren Publikum bekannt geworden ist, wie etwa die Biografie von Alfred Krupp oder Gottlieb Daimler.

Über diesen Artikel berichten der Schwarzwälder Bote und das Schwäbische Zeitung wenige Tage später unter dem Titel „Skrupelloser Netzwerker des Turbokapitalismus“ – woraufhin sich eine Debatte entspinnt:

Denn dem Historiker Jörg Kraus, Historiker und Autor des Buches Für Geld, Kaiser und Vaterland – Max Duttenhofer, Gründer der Rottweiler Pulverfabrik und erster Vorsitzender der Daimler-Motoren-Gesellschaft, ist die Darstellung Duttenhofers als gieriger Ausbeuter zu harsch und einseitig. Am 24.11. veröffentlichte er im Schwarzwälder Boten eine Korrektur des Bildes unter dem Titel Ein Charakter zwischen Gier und Hilfsbereitschaft. Kraus relativiert darin einige der Negativzuschreibungen und führt verschiedene Stimmen an, die dem umtriebigen Pulverfabrikbesitzer auch angenehmere Eigenschaften bescheinigen (wobei die dabei zitierten Nachrufe wohl nicht immer für bare Münze genommen werden dürfen, wie Kraus auch selbst in seinem Buch schreibt) .

Der rechte Pöbel-Blogger Schantle, in Rottweil für geifernden Hasskommentare zu allem, was seine braune Heimatlichkeitsblase anrührt, berüchtigt, lässt sich diese Diskussion nicht entgehen. In üblicher Beisswut werden gebetsmühlenhaft wiederholte Klischeekeulen rausgeholt, um von „linken Schmierfinken“, „linksversifften Maßstäben“ und „roter Gülle“ zu schreiben. Woraufhin ein werter Mitstreiter, der sich den vielsagenden Namen „Tempelritter“ gibt, sogleich vom „geistigen Selbstmord“ spricht, den man begehe, wenn man solche „linken Drecksäcke“ gewähren lasse, die ein „stalinistisches System“ aufbauen wollten. Und so geht es weiter mit den Grüßen aus dem braunen Abseits, wo Militarismus Nestwärme zu bedeuten scheint…

Wie die also jetzt schon umstrittene Gier-Ausstellung Max Duttenhofer dann tatsächlich darstellt? Man wird es sehen, wenn das Haus der Geschichte Baden-Württembergs wieder seine Türen öffnen darf. Es gibt über Max Duttenhofer, seine Unternehmungen und sein Umfeld in jedem Fall mehr als genug Spannendes zu erzählen. War dieser doch eine komplexe Persönlichkeit, die sich nicht so leicht auf einen Begriff bringen lässt – ebenso wie die zahllosen Projekte und Prozesse, in die dieser involviert war.

Das wird auch mein Roman – der den historischen Duttenhofer nur zum Vorbild für einen nicht genauer benannten Protagonisten nimmt – zeigen, weshalb er eine Vielzahl von Erzählern und Blickwinkeln wählt, um Pulverkönig, Pulverstadt und Pulverzeitalter samt all dem Streit, der sich mit und um ihn entwickelt hat, zu beleuchten.

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